Wenn der Papa ‚das Erdmännchen‘ macht

meerkat

Fakt ist: Eltern sind in den Augen ihrer Kinder grundsätzlich asexuell, zumindest solange die Kinder selber noch nicht in der Pubertät sind. Das ist auch in Ordnung, denn als Eltern kann man sich so organisieren, dass man die Kinder nicht allzusehr damit konfrontiert, dass sich liebende Eltern eben nicht nur ab und zu ein Küsschen geben.

Ihr seht schon, wo das hinführt? Genau. Was, wenn man alleinerziehender Vater oder Mutter ist und trotz (oder gerade wegen) der uneingeschränkten Aufopferung für die Kinder feststellen muss, dass man – entgegen den Erwartungen der Kinder und vielleicht auch entgegen den eigenen Erwartungen – eben doch auch nur ein Mensch mit normalen Bedürfnissen ist?

Ich spreche Themen gegenüber meinen Kindern eigentlich immer ziemlich direkt an und stosse bei meinen Töchtern immer auf Verständnis, wenn ich meine Themen transparent auf den Tisch lege. Da sollte es doch möglich sein, auch mal über das Thema ‚Papa ist auch ein Mann‘ reden zu können…

Eines Tages sprachen wir über eine Person aus unserem Umfeld, die einen neuen Freund kennengelernt hatte. Ich dachte also, ich mache es so, wie immer und spreche das Thema der menschlichen (männlichen?) Bedürfnisse mal ganz locker an. Ich sagte: „Hey, ihr wisst schon, dass auch ich vielleicht mal wieder eine Freundin haben könnte.“ Da sah ich, wie sich  zwei Augenpaare geschockt auf mich richteten. Relativierend fügte ich sofort hinzu: „Na, nicht jetzt, aber eines Tages…“ Das war zuviel für meine Töchter – ein kollektives „Niemals!!!“ kam mir entgegen. Ich versuchte zu argumentieren, dass dieses Bedürfnis ganz natürlich sei und dass diese Person ja dann nicht ihre neue Mutter sein werde. Aber die Kinder meinten kategorisch, ich hätte ja sie und das müsse genügen. Nicht ohne auch noch ein angeekeltes „Wähhh!!!“ anzuhängen, als sie merkten, welche ‚Bedürfnisse‘ ich vielleicht gemeint haben könnte.

Im ersten Moment war ich echt beleidigt und enttäuscht. Wie konnten mir meine Kinder langfristig das Recht absprechen, eine neue Partnerin zu finden – oder auch nur zu flirten!? Das Thema war dann erst mal vom Tisch, aber auch ein, zwei spätere Versuche, es anzusprechen, scheiterten kläglich. Meine Kinder weigerten sich kategorisch, mich als einen Mann zu sehen, der auch andere zwischenmenschliche Bedürfnisse haben könnte, als Vater zu sein. Ich erkannte aber, dass es dabei nicht um mich als Person ging, sondern dass sich meine Kinder grundsätzlich nicht mit dem Thema Sexualität oder der Anziehung verschiedener Geschlechter auseinander setzen möchten. Das hat ja auch sein Gutes (ich werde sowieso genug Probleme haben, wenn meine beiden äusserst hübschen Töchter mal 16 oder 18 sind…)!

Nun half mir aber diese Erkenntnis auch nicht weiter. Ich war in einem Dilemma. Ich bin praktisch meine ganze Freizeit mit den Kids zusammen und sehe mich gezwungen, jegliches Interesse an Frauen in meinem sozialen Umfeld zu leugnen, zu verstecken oder effektiv zu unterdrücken (was nicht funktioniert).

Letzten Sommer kamen mir dann die Kinder zu Hilfe. Wir sassen zu dritt im Tessin draussen in einem Café, als eine attraktive Frau an unserem Tisch vorbei ging. Ich muss einen verstohlenen Blick riskiert haben, als ich plötzlich das laute Gelächter meiner Kinder hörte. Sie riefen: „Du siehst aus, wie ein Erdmännchen, das Ausschau hält!“ Natürlich wussten sie, wie mein Blick zu der Dame zu deuten gewesen war, aber wir mussten alle lachen.

In dem Moment hatte ich zwei Dinge begriffen: 1. Mein Blick im Café war wohl doch nicht so verstohlen, wie ich es gerne gedacht hatte… und 2. Manchmal helfen Code-Wörter, um mit meinen Kids über Themen zu sprechen, die ihnen aufgrund ihres Alters noch peinlich sind.

Ab dem Moment haben wir also eine Formulierung gefunden, mit der wir mit dem Thema umgehen können, ohne dass sich die Kinder bedrängt fühlen. Papi macht halt jetzt ab und zu ‚das Erdmännchen‘, wenn er jemand attraktives sieht und ich muss nicht mehr gleich denken, dass ich ein Verbrechen begehe, wenn ich jemand anziehend finde. 🙂